Der gegenwärtige Augenblick ist alles was wir haben.

Und doch können wir uns selbst jeden Tag aufs Neue dabei erwischen, dass wir den gegenwärtigen Augenblick zum einen gar nicht wahrnehmen und ihn zum anderen erst recht nicht genießen und wertschätzen. Die meisten von uns rennen im Autopiloten durch die Welt, denken bereits über den nächsten Termin auf der Arbeit nach, dass die Kinder in zwei Stunden aus dem Kindergarten abgeholt werden müssen oder ärgern sich über eine Situation die früher am Tag passiert ist. All das führt dazu, dass wir so gut wie nie wirklich im Hier und Jetzt ankommen, sondern unser Geist und unsere Gedanken sich ständig um die Vergangenheit und um die Zukunft drehen. Das führt oft dazu, dass man vor lauter Gedanken all die schönen Dinge, für die man dankbar sein sollte gar nicht wahrnimmt. Wann hast du auf deinem Arbeitsweg das letzte Mal wirklich darauf geachtet was es hier alles schönes zu entdecken gibt? Wann hast du dir das letzte Mal wirklich Zeit genommen deinen Kindern beim Spielen zuzusehen oder warst während eines Gespräches mit einem guten Freund oder auch einem bisher Fremden zu 100% bei der Sache, ohne bereits daran zu denken was du heute noch alles erledigen musst? Ich bin mir ziemlich sicher, dass dir dabei in der Vergangenheit viel Schönes dieser Welt verborgen geblieben ist, obwohl es doch direkt vor deine Nase war.

Ich wette, dass auch du in den letzten Monaten einige Zeit damit verbracht hast Dinge zu suchen, die du nur kurz zuvor "irgendwo" hingelegt hast, die plötzlich unauffindbar waren (bei mir ist es meistens der Hausschlüssel). Auch das ist ein ganz klares Anzeichen, dass du mit deinen Gedanken schon wieder fünf Schritte weiter warst.

Was kann man also tun, um den Autopiloten auszuschalten, im Hier und Jetzt anzukommen, das Leben in seiner vollen Pracht wahrzunehmen und tatsächlich zu leben anstatt das eigene Leben an sich vorbeiziehen zu lassen? Die Antwort ist so simpel wie schön. Der Trick heisst Achtsamkeit.

Lass uns auf unserer Reise durch die Achtsamkeit mit den Meistern, den Olympioniken dieser Kunst beginnen, den Kindern. Schau dir Kinder beim Spielen an. Glaubst du sie verschwenden auch nur einen Gedanken an die Zukunft oder ärgern sich darüber, dass sie heute Morgen das Glas Milch umgeworfen haben. Auf keinen Fall. Nichts in der Welt könnte sie in Ihrem Spiel stören. Wenn sie, egal ob alleine oder zusammen mit ihren Freunden, eine Burg aus Bauklötzen bauen, aus einem Dutzend Kissen und Decken eine Höhle bauen, dann machen Sie genau das und nichts anderes. Kinder kennen solchen Unfug wie Multitasking nicht, und das ist ein Grund warum sie so glücklich und vertieft sind in ihrem Spiel.

Lerne also von den Meistern. Wenn du eine Sandburg baust, baue eine Sandburg. Wenn du deine Wäsche bügelst, bügel deine Wäsche. Wenn du eine Email schreibst, schreibe eine Email. Wenn du dich mit einem netten Menschen unterhältst, unterhalte dich mit einem netten Menschen. Und zwar mit deiner ganzen Aufmerksamkeit.

Und in noch etwas sind Kinder uns um Längen voraus: Begeisterungsfähigkeit und Neugierde zählen zu ihren größten Stärken und sorgen dafür, dass sie jeden Tag tausende neue Erfahrungen machen und fürs Leben lernen. Also sei schlau und besinne dich auf deine kindliche Neugier, sie steckt auch in dir. Alles was du tun musst ist sie unter den Schichten der gesellschaftlichen Pflichten und Normen auszugraben und wiederzubeleben. Und du wirst erleben, wie schön das Leben ist, wenn du dich begeistern kannst für all die kleinen schönen Dinge um dich herum, sei es die Wärme der Sonne auf deiner Haut, ein Schmetterling der an dir vorbeifliegt oder der Dank eines völlig Fremden wenn du ihm im Café die Tür aufhältst.

Wenn ich mir nur eine Sache wünschen darf, die du dir merkst und als Erkenntnis des Achtsamkeitskriegers mitnimmst, wäre das die folgende: "MULTITASKING IST SCHEIßE!!!".

Wir alle haben jeden Tag so viele (un-)wichtige Dinge zu erledigen, dass wir immer wieder versucht sind mindestens fünf davon gleichzeitig zu erledigen. Aber ich muss dir eines sagen. Auch wenn du stolz darauf bist, dass du gleichzeitig telefonieren, eine EMail schreiben und im Internet surfen kannst: "Lass es sein!" Anders als ein Computer ist unser Gehirn nicht dafür gemacht mehrere Prozesse zeitgleich ablaufen zu lassen. Es ist gar nicht möglich. Und wenn du jetzt sagst, "doch ich kann genau das" glaube mir (oder lies es in unzähligen wissenschaftlichen Veröffentlichungen nach) was beim Multitasking passiert ist, dass dein Gehirn blitzschnell zwischen den einzelnen Aufgaben hin und herspringen muss und dabei extrem ineffizient und unzufrieden ist. Du wirst all diese Aufgaben unter dem Strich schneller und besser erledigen, wenn du dich auf eine zur Zeit konzentrierst. Ach ja und noch etwas, du und dein Gehirn ihr werdet dabei auch noch um einiges erholter und glücklicher aus der ganzen Geschichte herauskommen.

In seinem Buch "Triffst du Buddha, töte ihn" berichtet der Reisereporter und Anti-Esoteriker Andreas Altmann von seinen Erlebnissen im Trainingscamp des inneren Friedens ins Indien. Denn auch wenn er beim kleinsten Anzeichen von Spiritualität und Religiösität die Flucht ergreift, sind ihm die rationalen positiven Effekte und Einflüsse der Meditation durchaus bewusst. Andreas Altmann schafft es, über seine Zeit in Indien im Allgemeinen und die Zeit im "Meditationscamp" im Speziellen auf äußerst interessante und amüsante Weise zu erzählen. Genau wie der Achtsamkeitskrieger seine Kraft nicht gegen andere wendet hat auch der Titel dieses Buches nichts mit Mord und Totschlag zu tun. Die Quintessenz ist vielmehr, dass der Buddha lehrt den Buddha zu überwinden.

Du kannst deinem Leben vielleicht nicht mehr Stunden geben...

...aber du kannst deinen Stunden mehr Leben geben.